Meine Motivation

Meine Motivation

… begründet sich vor allem in dem Wunsch demokratiestärkend zu agieren.

… nährt sich aus einigen wichtigen Schritten und Wendepunkten in meinem Leben (siehe unten).

… ist es, mit anderen Menschen gemeinsam diese Demokratie am Leben zu erhalten und weiterzuentwickeln auf Grundlage des Grundgesetzes, der Menschenrechte und der sächsischen Verfassung.


Schlüsselmomente und der Kampf gegen Windmühlen

Warum leben wir nach welchen Regeln?

Diese Frage interessierte mich zunehmend während des Studiums. Deshalb ließ ich mich fürs StuPa (Studierenden Parlament) aufstellen. Besonders interessant und mit zu verhandeln war damals die Umstellung von Diplom- auf Bachelor- und Master-Studiengänge.

Welche Gewerkschaft für eine Sängerin?

Kaum war ich an meinem ersten Theater in Düsseldorf engagiert, fragte ich mich durch: wer von den Kolleg:innen ist in einer Gewerkschaft? In welcher und warum? Welche ist für mich empfehlenswert? Was kann man dort bewegen? Was macht der Betriebsrat? Was der Chorvorstand? Hat jemand Tipps für die Steuererklärung? (Die mache ich übrigens bis heute selbst, weil ich verstehen möchte, wie das funktioniert.)

Erste Schritte in gewerkschaftliches Engagement

In Oldenburg wurde ich Solistin, trat der GDBA bei, hatte engen Kontakt zum Betriebsrat und wurde Ensemblesprecherin. Ich arbeitete mich schnell und intensiv in den Tarifvertrag ein – dafür sorgte auch die Kurzsichtigkeit der Theaterleitung.

Verantwortung übernehmen im Ehrenamt

Beim Antritt der neuen Stelle in Zwickau wunderte ich mich: es gab keinen Lokalverband der GDBA. Also gründete ich einen, überzeugte genügend Kolleg:innen in die Gewerkschaft einzutreten (damals brauchte es mindestens 7 Personen). Noch während der Gründungsphase vertrauten sich Kolleg:innen mir an und ich wurde angesprochen: ob ich nicht für den Betriebsrat kandidieren möchte? Das tat ich. Also Lokalverbandsvorsitz und Betriebsratsmitglied gleichzeitig. Zeitweise auch Ensemblesprecherin.

Der Betriebsrat und demokratische Kultur

Im Betriebsrat fiel mir besonders auf, was uns auch heute in Wahlergebnissen an anderer Stelle auf die Füße fällt: unter den Mitgliedern gab es ein mangelndes Verständnis oder Missverständnis der demokratischen Regeln, die bei der Wiedervereinigung hier übergestülpt, aber nicht erklärt wurden. Mir wurde schnell klar, dass dieser Betriebsrat nur gut arbeiten kann, wenn massiv poltische Bildung stattfindet, wenn Wissen angesammelt und Fakten auf den Punkt gebracht werden können. Ich regte an, gemeinsam eine Schulung zum Betriebsverfassungsgesetz zu absolvieren. Denn lebenslanges Lernen bringt uns weiter. Leider hatten nicht viele Interesse an dieser Form der Wissensbildung, so dass nach neun Monaten Diskussion einer Kollegin, die ebenfalls neu im Betriebsrat war, und mir, eine Schulung bewilligte wurde.

Nach dieser Schulung verstand meine Kollegin meine Frustration. Wir gaben nicht auf, blieben bis zum Ende der Wahlperiode im Betriebsrat und kämpften gegen Windmühlen.

Mein Versuch für die darauffolgende Wahlperiode Mitstreiter:innen zu finden, die bereit waren den Betriebsrat umzukrempeln und zu dem zu machen, wofür er vorgesehen ist, scheiterte.

Verantwortung in der Gewerkschaft wächst

In dieser Betriebsrat-Zeit übernahm ich mehrere ehrenamtliche Aufgaben innerhalb der Gewerkschaft (Verwaltungsrat VddB, Beirat, Beisitzerin beim Bühnenschiedsgericht…). Ich sah hier, dass wichtige Entwicklungen des theatertypischen Arbeitsmarktes gewerkschaftspolitisch verschlafen wurden. Die immer größer werdende Zahl an freiberuflichen Kolleg:innen ohne festes Engagement fand sich in den gewerkschaftlichen Strukturen nicht wieder. Auch hier wurde sich der Mund fusselig geredet, aber hier war ich nicht allein. 

Gemeinsam schafften wir es in 12 Jahren eine neue Struktur zu entwickeln und zu installieren: in Basisverbänden sind heute die Künstler:innen zusammengeschlossen, die keinem Lokalverband angehören und der Freischaffendenrat bringt die Belange der Freien gezielt in die Gewerkschaftsarbeit ein.

Lokalpolitische Kontakte

Alle paar Jahre wird die Theaterfusion Plauen-Zwickau auf eine harte Probe  gestellt, denn der Vertrag zwischen beiden Trägern ist immer wieder befristet. Ich sah die Notwendigkeit als Betriebsrats- und Gewerkschaftsmitglied das entsprechend zu kommentieren. Das geschah in Form von offenen Briefen oder Artikeln. Schließlich auch zu anderen Themen im Rahmen der 40.000-Gespräche (Aktion, die Politiker:innen und Theaterschaffende an einen Tisch bringt).

Selbstenttarnung des NSU

Ebenfalls in dieser Zeit explodierte ein Haus in der Frühlingsstraße und der NSU enttarnte sich. Mir wurde bewusst, dass es in Zwickau ein anderes politisches Hintergrundrauschen geben muss als an den Orten, an denen ich bis jetzt gelebt habe. Sonst hätte es nicht der Wohnort dieser Terroristen sein können.

Überschreitung des „Mindesthaltbarkeitsdatums“

Mein für eine Bühnendarstellerin hohes Alter, machte es notwendig, dass ich mich breiter aufstellte. Neben dem Singen wurden das Unterrichten und die Theaterpädagogik wichtiger. Deshalb wurde mir eine Interessenvertretung im Bereich Gesangunterricht wichtig und ich trat bald dem BDG bei. 

10 Jahre in Sachsen und schon gibt es Verständnisprobleme…

2019 sprach ich auf einer vor allem von Westdeutschen besuchten Theater-Konferenz über Wahlergebnisse zum EU-Parlament. Darüber, wie anders Wahlergebnisse in Sachsen ausfallen als in westdeutschen Bundesländern. Darüber, dass es hier rechts von der AfD viele weitere politische Organisationen gibt. Darüber, dass ich mit Aufsichtsratsmitgliedern sprechen muss als Theatermensch, auch wenn sie der AfD angehören. Welche Ideen zur Verbesserung der Situation hatten meine westdeutschen Kolleg:innen? „Na dann bringen wir halt mal ein paar Stars da rüber und erklären denen, wie Demokratie geht.“ – Ich lehnte diese Idee ab. 1. gibt es auch hier Stars. 2. so geht man vielleicht mit kleinen Kindern um, oder als Kolonialmacht mit einer Kolonie, aber nicht mit gleichwertig empfundenen Menschen. Das verstanden meine Kolleg:innen nicht.

Das große Stoppschild

2019 war das 1. Jahr, in dem ich mich als freischaffende Künstlerin komplett selbst ernähren konnte. Und dann kam die Pandemie.

Ein großes, verunsicherndes Stoppschild.

Nichts ging mehr, keine Konzerte, keine Theaterpädagogik, nur ein wenig online Gesangunterricht.

Singen ist nicht mehr mein Ding

Noch bevor ich wusste, dass das Singen nichts mehr für mich ist, bewarb ich mich für die Präsidentschaft der GDBA. Die Erkenntnis, dass das Singen nie mehr mein Beruf sein würde, reifte aber erst in dieser Wahlkampfzeit und schüttelte mich ordentlich durch.

Ich verlor die Wahl und gewann dadurch die Möglichkeit eine bewusste Neuorientierung vorzunehmen. Schnell wurde klar: ich möchte mich gesellschaftspolitisch einbringen. Demokratiestärkend. 

Meine im Ehrenamt und als Freiberuflerin erworbenen Kompetenzen eröffneten mir viele Möglichkeiten. Schließlich wurde es – trotz fehlender formaler Voraussetzungen – die Projektleitung für den „Ort der Demokratie“ am Soziokulturellen Zentrum Alte Brauerei in Annaberg-Buchholz. Der Umstieg war natürlich herausfordernd, aber er hat sich gelohnt und ich habe ihn gemeistert.

Horizont weit halten

Während dieser Umorientierung war ich aktiv an der Konzeptionierung des Programms „Durchatmen! – Regenerationsbegleitung bei Long-Covid“ des BDG beteiligt und Teil vom Think Tank „Zukunft des Theaters – Theater der Zukunft“.

Durch meine vielfältigen gesellschaftspolitischen Äußerungen und die wachsenden Kontakte in die Lokalpolitik wuchs eine Verbindung zum KV Zwickau von Bündnis 90/DIE GRÜNEN. Ich beobachtete mit Freude, wie sich der KV entwickelte. Sah in Annaberg-Buchholz, dass auch hier mit einem Büro in der Innenstadt die Sichtbarkeit erhöht wurde, der Kontakt zu den Menschen gesucht wird. Das gefällt mir.

Als Künstlerin hatte ich immer den Anspruch parteilos zu sein. „Aber jetzt bin ich ja keine Künstlerin mehr“, dachte ich irgendwann und wurde erst Testmitglied und dann im Juni 2022 Vollwertiges Mitglied beim KV Zwickau von Bündnis 90/DIE GRÜNEN. Und das war mir auch immer klar: wenn eine Partei, dann die Grünen. Seit ich politisch denken kann, ist ihre Politik mir nah und jetzt möchte ich grüne Politik machen.

Immer weiter gehen

Für mich ist es logische Konsequenz aus allem, was mein Leben bisher ausmachte, jetzt den Schritt in die Berufspolitik zu wagen. Natürlich weiß ich wieder einmal nicht, ob es gelingen wird, aber wenn ich es nicht versuche, mit Allem, was mir zur Verfügung steht, mit all meiner Energie, werde ich es nicht heraus finden.

So war es damals auch mit dem Vorhaben Gesang studieren zu wollen. Und ich war 17 Jahre lang Opernsängerin. War also keine schlechte Entscheidung…